Infoveranstaltungen der Stabsstelle Lehrer*innenbildung im Sommersemester 2017

Donnerstag, 13. April 2017 | Autor:

Auch im kommenden Semester bietet die Stabsstelle Lehrer*innenbildung wieder zahlreiche Informationsveranstaltungen für Lehramtsstudierende an:

  • Das Berufliche Schulwesen – Donnerstag, 27.04.
    17:00-18:00 s.t. // HS 3044
    Mehr als eine Alternative zum allgemeinbildenden Gymnasium: Vorgestellt werden Besonderheiten, Chancen und Möglichkeiten im Beruflichen Schulwesen sowie persönliche Erfahrungen.
  • Der Vorbereitungsdienst: Bewerbung, Aufbau, Ablauf – Donnerstag, 27.04.
    18:00-20:00 c.t. // HS 1199
    Vertreter*innen des Regierungspräsidiums Freiburg und der beiden Freiburger Studienseminare für Didaktik und Lehrerbildung informieren über Bewerbung, Zuteilung, Sozialpunkte und vieles mehr.
  • Fit ins Referendariat – Dienstag, 09.05.
    18:00-20:00 c.t. // HS 1098
    Für höhere Semester und Referendar*innen – Informationen zu finanziellen und versicherungstechnischen Aspekten während des Referendariats und den Eigenheiten des Beamtenstatus.
  • Auslandsaufenthalt im Lehramtsstudium – Dienstag, 30.05.
    18:00-20:00 c.t. // HS 1098
    Für einen Auslandsaufenthalt stehen im Lehramtsstudium spezielle Wege offen, um die es sich frühzeitig zu bemühen lohnt. Vorstellung von Anlaufstellen und Erfahrungsberichte.
  • Gefahren im Netz und Ihre Folgen – Mittwoch, 21.06.
    18:00-20:00 c.t. // HS 01 007 (Hermann-Herder-Str. 6)
    Schulische Kriminalprävention zum Thema Mediengefahren. Vortrag von Polizeihauptkommissarin Monika Arndt über Gefahren und Folgen von Mediennutzung aus Sicht der polizeilichen Ermittlungs- und Präventionsarbeit.

Wir würden uns freuen, Sie bei einem oder mehreren dieser Termine begrüßen zu dürfen!

Weitere Informationen finden Sie unter www.zlb.uni-freiburg.de.

 

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Lehramt-Erstsemester-Begrüßungsabend

Mittwoch, 5. Oktober 2016 | Autor:

Am Mittwoch 12.0ktober 2016 von 18 bis 19.30 Uhr sind alle Studierenden des ersten Semesters im Lehramt herzlich zum Begrüßungsabend ins Audimax eingeladen.

Das Lehramtsstudium hat mit dem Studiengang des polyvalenten Bachelors Veränderungen erfahren, die auf eine deutlich stärkere Praxisausrichtung und Vermittlung lehramtsrelevanter Kompetenzen abzielt.

Ziel dieses Abends ist es, den Studierenden einen Einblick in die verschiedenen Elemente des Lehramtsstudiums zu vermitteln. Referentinnen und Referenten der Stabsstelle Lehrerbildung, der Bildungswissenschaften, der Staatlichen Seminare und des Zentrums für Schlüsselqualifikationen erläutern in kurzen Informationsvorträgen den Aufbau des polyvalenten Bachelors, die Rolle der Bildungswissenschaften und der Fachdidaktik sowie den Ablauf des Orientierungspraktikums.

 

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Stimme und Sprechen – Ein Kompetenztraining für Lehramtsstudierende

Donnerstag, 4. August 2016 | Autor:

Stimmtraining1Der Lehrer/innenberuf als Sprechberuf gilt seit jeher als sehr stimmintensiv und stimmbelastend, und nicht umsonst leidet mindestens ein Drittel aller Lehrkräfte unter krankheitsbedingten Symptomen. Ich vermute sogar, dass fast jede/r Lehrende mindestens einmal im Leben mit diesem Problem konfrontiert war. Unterrichten bedeutet nun einmal auch Sprechen, sogar viel Sprechen über einen längeren Zeitraum und vor allem vor großer und nicht immer still lauschender Zuhörerschaft. Zudem ist die Raumakustik in vielen Schulen nicht die beste.
Dass die Stimme im Unterrichtsgeschehen einer großen Belastung ausgesetzt ist, spürte auch ich in meiner aktiven Zeit an der Schule immer besonders stark in der ersten Woche nach den Sommerferien. Sechs Wochen Erholung für die Stimme, dann wieder von Null auf Hundert! Das hatte meist Halskratzen zur Folge, bis sich der Stimmapparat an seinen Dauereinsatz gewöhnt und sich alles eingependelt hatte. Manche Personen unseres Kollegiums bauten jedoch über die Jahre hinweg eine dauerhaft raue und heisere Stimme auf.
Da die Stimme ja nicht nur ein Mittel zur Wissensvermittlung ist, sondern auch Ausdrucksmittel in der zwischenmenschlichen Kommunikation, sollten wir sorgsam mit ihr umgehen. Sie ist zudem maßgeblich daran beteiligt, wie wir als Mensch rüberkommen, in welcher Stimmung (!) wir sind, wie wir Empathie ausdrücken können und ob uns Disziplinierung und Konfliktentschärfung im Unterricht gelingen. (Nusseck, Echternach, Richter, Spahn; in: Forum Erziehungswissenschaft und Bildungspraxis Nr. 6, University of Bamberg Press, S. 233ff.)
Ein kompetenter Umgang mit der Stimme stellt auch nach Meinung der Freiburger Musikermedizin (s. o. S. 233) eine Grundkompetenz im Lehrerberuf dar. Daher sollte die Gesunderhaltung der Stimme als wesentliches Handwerkszeug einer Lehrkraft schon Teil der Lehrerausbildung sein und auch später im Berufsalltag eine Rolle spielen.
Aufgrund dieser Überlegungen und unserer eigenen Erfahrungen als langjährige Lehrerinnen am Gymnasium bieten wir seit inzwischen 10 Jahren immer im Sommersemester interessierten Lehramtsstudierenden einen sog. Kompetenztrainingstag an. Wir greifen dabei auf wechselnde Referentinnen und Referenten zurück, wobei der sorgsame Einsatz der Stimme und eine deutliche Artikulation stets im Fokus stehen.
Sowohl 2015 als auch 2016 wurde das Projekt vom StuRa Innovatives Studium unterstützt, so dass wir drei erfahrene Stimmschuler/innen von der PH Freiburg als Workshopleitungen einladen konnten.
Am Montag, den 25.7. dieses Jahres war es wieder soweit.
Nach den Begrüßungsworten von Frau Vogelbacher gaben Dr. Sieglinde Eberhart, Marcel Hinderer und Franziska Trischler eine kurze und kurzweilige Einführung in das Thema und in die sich anschließenden Workshops.

Danach verteilten sich die Gruppen auf drei Räume und widmeten sich den jeweiligen Schwerpunkten anhand einer theoretischen Einführung und vieler praktischer Übungen.
So wurde ganz aktiv und mit viel körperlichem Einsatz im Workshop „Stimmfit – Stimmtraining für die Klasse“ der Zusammenhang von Körperspannung und Stimme erfahrbar, und die Bedeutung von Kraftstimme und Resonanz war im wahrsten Sinne des Wortes zu hören.

Der Workshop „ Das hab´ ich jetzt akustisch nicht verstanden…“ beschäftigte sich u.a. mit dem Zusammenhang von Stimme und Artikulation und den Besonderheiten bestimmter Dialekte. Da viele der Teilnehmer/innen als eigenes Problem das Nuscheln identifizierten, wurden zunächst die wichtigsten Sprechprinzipien vorgestellt: vorne sprechen – die Zunge ist elastisch und beweglich; lautgriffig sprechen – die Lippen sind geschmeidig und beweglich; Unterkiefer locker und beweglich halten.

Im Workshop „Einfach lesen, was da steht?!“ stand die Textgestaltung beim Vorlesen im Fokus. Die Teilnehmer/innen lernten, wie wichtig körperliche Präsenz beim Vorlesen ist, dass Vorlesen auch gleichzeitig Interpretation bedeuten kann, und wie die Figuren eines Textes durch bewusstes Vorlesen unter Einbeziehung von Pausen und Betonungen plastisch werden können.

Eine abschließende Umfrage unter den Studierenden ergab, dass dieses Stimmtraining für das Thema sensibilisieren konnte und Spaß gemacht hat. Häufig wurde der Wunsch geäußert, dieses Angebot zu verlängern und zu intensivieren. Echte Stimmprobleme, und das war allen Teilnehmenden bewusst, können allerdings nur mit Hilfe einer Therapie behoben werden.

 

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Lehrerbildung – Verantwortung für die Zukunft

Dienstag, 30. Juni 2015 | Autor:

150630_lehrerbildungEnde Oktober 1999 verabschiedete die Kultusministerkonferenz (KMK) eine Expertise zur Situation und Reform der Lehrerbildung und empfahl sie den Bundesländern als Rahmenvorgabe.

Was hat sich seitdem in der Lehrerbildung getan? Welche Reformprozesse wurden angestoßen? Was hat sich umsetzen lassen und was nicht? Welche neuen Ideen, Erkenntnisse und Einsichten sind aufgetreten?

Diese Fragen nahmen die Deutsche Telekom Stiftung, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Hochschuldirektorenkonferenz (HRK) zum Anlass, eine gemeinsame Tagung am 11. Juni in Berlin auszurichten, an der ich für die Universität Freiburg teilnahm.

Im einführenden Beitrag sprach Prof. Burckhart, Vizepräsident der HRK, davon, dass sich an den Universitäten das Bewusstsein für die Lehrerbildung deutlich gesteigert habe. So sei die Lehrerbildung noch vor 15 Jahren ein „Notrad im Kofferraum“ gewesen, heute stünde sie eher im Fokus; früher habe es keine Ressourcen und Wertschätzung gegeben, und Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften hätten ein segmentiertes Denken gezeigt.

Dennoch bleibe die Lehrerbildung auch jetzt noch eine Baustelle: So gebe es zwar bzgl. der Arbeit der Lehrerbildungszentren eine hohe Wertschätzung auf Seiten der Studierenden, aber nach innen (u.a. Professorenschaft) spüre man nach wie vor eine geringere Wertschätzung gegenüber allen, die mit Lehramt zu tun hätten. Hier sollte unbedingt mehr auf Augenhöhe gearbeitet werden.

Prof. Burkhart konzentrierte sein Anliegen auf drei Punkte:

  1. Lehrerbildung bedeutet Verantwortung für die Zukunft nachfolgender Generationen
  2. Lehrerbildung soll die Wertschätzung gegenüber jungen Menschen, die diesen Beruf ergreifen, ernst nehmen
  3. Lehrerbildung soll das hohe Selbstinteresse der Hochschulen, über gute Lehrkräfte zukünftige Studierende und Wissenschaftler zu gewinnen, widerspiegeln. Dieser Kreislauf sollte genug Motivation für eine gute Lehrerbildung freisetzen!

Schulen seien, so Burkhart, der Dreh- und Angelpunkt der Zukunftsentwicklung. Sein Beitrag endete mit einem Appell an die anwesenden Vertreter/innen der Kultusministerkonferenz, die Lehrerbildung aus dem Schatten der prestigeträchtigen Fachwissenschaft herauszuholen und ihr damit  die ihr gebührende Sichtbarkeit zu verleihen.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Prof. Johanna Wanka, sprach zum Stand der Qualitätsoffensive Lehrerbildung. 500 Millionen Euro seien doch sehr viel Geld, wobei in der ersten Runde nur 19 von 80 vorgestellten Projekten (auch Freiburg) durchgekommen seien. Das liege nicht am mangelnden Kapital, sondern daran, dass die Anträge Modellcharakter zeigen müssten. Man habe diese Mittelvergabe im Übrigen 2013 an die Bedingung geknüpft, dass die Bundesländer die Mobilität der Lehrkräfte im Bundesgebiet erleichtern sollen.

Frau Wanka ging auch auf die vielfältigen Aufgaben im Lehrerberuf ein: Stellung beziehen, beurteilen können, Verantwortung übernehmen usw. Gerade für Lehrende gilt das Wort des Augustinus: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“. Die Herausforderungen der Schulen seien in den vergangenen Jahren immens gewachsen, indem z.B. an manchen Grundschulen 50% Kinder mit Migrationshintergrund zu unterrichten seien, d.h. die Diversität sehr zugenommen habe. Andererseits müssten aber auch Sonderprogramme für sehr leistungsstarke Schüler/innen aufgelegt werden.

Die Ergebnisse einer Studie zu Strukturen und Status der Lehrerbildung in Deutschland stellte Prof. Wolfgang Böttcher vom Institut für Erziehungswissenschaft an der Uni Münster  vor. Angesichts von ca. 80 Zentren für Lehrerbildung oder vergleichbarer Einrichtungen wurden nur sehr wenige (12) untersucht; zusätzlich wurden 767 Studierende befragt. Die Interviews zeigten als Ergebnis eine große Vielfalt bei den Aufgaben der Zentren, beim beruflichen Hintergrund der Geschäftsführungen, bei Ressourcen, Einflussnahme und Anbindung an die Hochschulleitungen. Aber alle Leitungen/Geschäftsführungen wiesen auf die enorme Bedeutung von Kommunikationsfähigkeit und Fingerspitzengefühl hin, um sich in den Hochschulen Gehör zu verschaffen.

Die befragten Studierenden kannten zu 90% die Zentren für Lehrerbildung  und waren zu 70-80% mit Serviceleistung und Beratung zufrieden.

Zusammenfassend bedeutet dies für Böttcher, dass die Zentren für Lehrerbildung gewinnbringend und etabliert sind; ihre Arbeit kommt bei den Studierenden an und sie leisten auf organisatorischem Gebiet und bei Beratungen/Information gute Arbeit. Diese Einrichtungen sorgen für eine Stärkung der Lehrerbildung; allerdings konzentriert sich die Arbeit häufig auf das „ungefährliche“ Gebiet der Serviceleistung und weniger auf die Koordination hoch differenzierter Studiengänge. Deshalb bezeichnet Prof. Böttcher die Implementierung von Zentren für Lehrerbildung bzw. Schools of Education an deutschen Hochschulen als eine „minimalinvasive Operation ohne Strategie“. Es werde etwas bewegt, aber nicht das große Rad gedreht!

Als Fazit der Veranstaltung hielten die drei Organisationen Telekom, Stifterverband und HRK sieben Punkte in ihrer Berliner Erklärung zur Lehrerbildung fest.

Für mich war die Tagung insofern interessant und spannend, weil sie sowohl bezüglich der Referentinnen und Referenten als auch der Vorträge und Podiumsdiskussionen prominent besetzt bzw. inhaltlich anspruchsvoll war. Man darf also gespannt sein, wohin sich die Lehrerbildung in Deutschland bewegt.

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8. Bundestreffen der Zentren für Lehrerbildung in Bamberg

Sonntag, 26. April 2015 | Autor:

BAZL In diesem Jahr lud das Bamberger Zentrum für Lehrerbildung zum 8. Bundeskongress am 26./27.3.2015 mit dem Thema „Leadership in der Lehrerbildung“ an die dortige Universität ein. Dabei ging es nicht nur um Fragen der Schulführung und des Bildungsmanagements, sondern auch zu Führungsaufgaben im Unterricht.

Der Präsident der Uni Bamberg, Prof. Dr. Godehard, berichtete zu Beginn aus seiner langjährigen Erfahrung als dienstältester Universitätsleiter Deutschlands. Für ihn gehören fünf A zur Führungspersönlichkeit: authentisch, aufrichtig, ausdauernd, ambitioniert und agil.

Seine Kollegin Prof. Louise Stoll aus Großbritannien setzte später in ihrem eigenen Vortrag etwas andere Schwerpunkte und sprach von den vier C: creativity, critical thinking, communication, collaboration. Prof. Godehard riet weiter dazu, sich als Führungskraft an folgende Prämissen zu halten:

  1. Vermeide feste Machtverhältnisse und schließe Bündnisse!
  2. Leite unaufdringlich (flache Hierarchien)!
  3. Suche dir einen „goldenen Abfalleimer“, d.h. zur eigenen Entlastung Ablademöglichkeiten!
  4. Beachte, dass es eine Hierarchiedistanz gibt, sei aber präsent und baue unnötige Distanz durch Zuhören ab!
  5. Sei beharrlich! Zunächst abgelehnte Projekte lassen sich häufig mit guten Argumenten doch noch durchsetzen.

Wie sehen Amt und Stellung einer Schulleitung heute aus? Laut Frau Prof. Dr. Sibylle Rahm, Uni Bamberg, spielt der Begriff „Leadership“ eine Schlüsselrolle, der mehr beinhaltet als reine „Führung“. Leadership kann die Effizienz und die Chancengleichheit (efficiency and equity of schooling) verbessern. Dies kann gelingen, wenn Leadership und Management als zwei Seiten einer Medaille gesehen und gelebt werden. D.h. dass man einerseits als Führungskraft eine bestimmte Haltung lebt. Gesprächsbereitschaft, Emotionalität, persönliche Integrität gehören beispielsweise dazu. Autoritäres Auftreten provoziert immer Widerstand! Andererseits muss ein/e Schulleiter/in Managerqualitäten entwickeln, also Prozessabläufe und Qualitätsentwicklung anstoßen, Strukturen schaffen und Personalfragen klären können.

Wie in der Wirtschaft müssen auch schulische Führungskräfte bei Transformationsprozessen die Motivation der Mitarbeiter/innen wecken, durch Partizipation Vertrauen schaffen und zu innovativem Denken anregen. Führen heißt insofern auch kreatives Umgehen mit Instabilität in Zeiten des Wandels. Denn Schulen sind Orte der Erneuerung und Entscheidung über die Zukunft. Schulen reproduzieren Gesellschaft und müssen die nachfolgende Generation auf instabile Verhältnisse vorbereiten. Prof. Louise Stoll griff im Übrigen später in ihrem Vortrag diesen Gedanken auf und nannte in diesem Zusammenhang drei G: great professionell development, great leadership, great pedagogy. An der Uni Bamberg wird vor diesem Hintergrund inzwischen ein Masterstudiengang „Schulführung und Bildungsmanagement“ mit folgenden Schwerpunkten angeboten:

  1. Theorie und Empirie der Schulentwicklung
  2. Internationale Leadership-Forschung
  3. Qualitätssicherung und -management
  4. Personalführung und -entwicklung
  5. Methoden der empirischen Bildungsforschung
  6. Schulrecht und Schulverwaltung

Die Beziehung von Schulleitung und Kollegium war Thema eines Vortrags von Prof. Dr. Dubs, St. Gallen. Sie sollte geprägt sein von Empathie, Fürsorge, Vertrauen, Berechenbarkeit, Ehrlichkeit und Offenheit, von guter Feedbackkultur, Glaubwürdigkeit, Fairness, Respekt und Zugänglichkeit. Eine Führungskraft sollte sich immer der emotionalen Wechselwirkung zwischen Leitung und Kollegium bewusst sein. Prof. Dubs betonte die Bedeutung eines situativ-kooperativen Führungsstils, d.h. einer der jeweiligen Situation angepassten Führung, was ein hohes Maß an Flexibilität und Gespür erfordert. Alle Vortragenden waren sich darin einig, dass diese Erkenntnisse zwingend Bestandteil der Lehrergrundbildung sein müssen.

Prof. Dubs bietet beispielsweise in St. Gallen ein Semester lang ein Seminar mit 2 SWS und einer abschließenden Hausarbeit an, bei dem es nicht nur um gute Unterrichtsführung geht wie sonst in der Ausbildung von Lehrkräften, sondern die Studierenden u.a. beurteilen und verstehen sollen, wo Vor- und Nachteile einer geleiteten Schule liegen, welche Elemente Leadership ausmachen und in dem sie Leadership-Modelle für die eigene Schule entwickeln sollen.

Besonders spannend fand ich einen Workshop von Birgit Weyand, Geschäftsführerin des ZLB Trier, zu einem Projekt mit dem Titel „Vom Fehlersucher zum Perlentaucher – Leadership in der Lehrerbildung fördern“, bei dem momentan an der Uni Trier besonders gute und ambitionierte Lehramtsstudierende zwei Semester lang gefordert und gefördert werden.

Fazit: Leadership in der Schule ist eine herausfordernde, spannende und vielseitige Tätigkeit, mit der sich ambitionierte Studierende schon während des Studiums auseinandersetzen sollten.

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Internationalisierung der universitären Lehrerbildung – Internationales Expertenseminar in Bonn

Mittwoch, 18. Februar 2015 | Autor:

hrkdaad „Auch der Lehrerberuf bleibt nicht von den Auswirkungen der Globalisierung verschont. Lehrer sind nun gefragt, ihre Schülerinnen und Schüler zu einer aktiven Teilhabe an einer globalisierten Welt zu befähigen. Diese Entwicklungen erfordern zwangsläufig eine Neuausrichtung der Lehrerbildung an deutschen Hochschulen. So rückt der Erwerb interkultureller Kompetenzen zunehmend in den Vordergrund der universitären Lehrerbildung.“ Mit diesen Worten beginnt der Einladungstext zu einer Tagung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD), die am 11.2.2015 im Wissenschaftszentrum Bonn stattfand.

Weshalb ist dieses Thema gerade jetzt so aktuell? Dieser Frage versuchte MinDirig. Peter Greisler, Leiter der Unterabteilung Hochschulen im Bundesministerium für Bildung und Forschung, in seiner Eröffnungsrede nachzugehen.

Schon seit mindestens zwei Jahren wird die fehlende internationale Dimension in der deutschen Lehrerbildung als Defizit beklagt. So ergab eine Umfrage im Jahr 2013, dass 47% aller Lehramtsstudierenden keine Lust auf Auslandserfahrungen verspüren. Zudem würde ein Auslandsaufenthalt keine gesteigerten Karriereaussichten bringen, was sicherlich stimmt, und im Ausland erbrachte Leistungen erführen nicht die gewünschte Anerkennung. Außerdem erschwerten enge Vorgaben und Kleinteiligkeit der Curricula in den Bachelor-/Masterstudiengängen die Mobilität.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde auch auf ein Mentalitätsproblem hingewiesen. Es gibt offensichtlich zu wenige Lehramtsstudierende, die aus Neugier auf die Welt, aus Wissensdurst oder ähnlichen Motiven ins Ausland streben. Eine intrinsische Motivation für einen längeren Auslandsaufenthalt scheint es nicht in gewünschtem Maße zu geben. Die Wurzeln liegen dabei sicherlich auch im Elternhaus. Deshalb müsste es mehr Anreize von Seiten der Hochschulen dafür geben, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Zwar wurden allein seit 1950 ca. 2 Mio. Menschen durch den DAAD, der in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen feiert, gefördert, aber eine gezielte Unterstützung für Lehramtsstudierende existiert noch nicht.

Peter Greisler wies schließlich auf eine Resolution hin, die wir, 150 Teilnehmer/innen einer Berliner Tagung im Herbst2013, spontan verfassten und die als Pressemitteilung des DAAD veröffentlicht wurde. Sie war an die Fachministerien in Bund und Ländern gerichtet und enthielt folgende Forderungen:

  • Einrichtung von sog. Mobilitätsfenstern im Lehramtsstudium
  • Praxisphasen auch im Ausland ermöglichen (in Ba-Wü schon seit 2001 erlaubt)
  • Verpflichtung, internationale Erfahrungen zu machen und interkulturelle Kompetenzen während des Studiums zu erwerben
  • Man muss jetzt handeln: Weiterbildung für Lehrkräfte im Dienst
  • Mehr Möglichkeiten für Incoming-Lehramtsstudierende schaffen
  • Mehr Kooperationen der Hochschulen mit ausländischen Partnern

Hat sich seit 2013 etwas getan? Diese Frage kann aus Sicht des Vizepräsidenten der HRK, Prof. Holger Burckhart, bejaht werden. So sei die Internationalisierung der deutschen Hochschulen schon vorangeschritten, doch blieben Teilbereiche hinter dieser positiven Entwicklung zurück. So sei die internationale Ausrichtung im Bereich Lehrerbildung leider keine Erfolgsgeschichte. Immerhin habe es in den letzten beiden Jahren einige Tagungen und Seminare zu diesem Thema gegeben, sodass inzwischen an der zentralen Bedeutung der Internationalisierung der Lehrerbildung kein Zweifel herrsche. Strukturierte Auslandsaufenthalte müssten unbedingt ins Studium übernommen werden, und für Lehrkräfte als Multiplikatoren im Klassenraum seien in einer globalisierten Welt Auslandserfahrungen von essentieller Bedeutung.

Vor dem Hintergrund der Entschlüsse der vergangenen zwei Jahre und der Forderungen der Referenten vom Vormittag gaben nach der Mittagspause Praxisbeispiele aus verschiedenen europäischen Ländern (Finnland, Lettland, Österreich, Niederlande und Deutschland/Uni Vechta) Einblicke in erfolgreiche Modelle zur Internationalisierung der universitären Lehrerbildung. Ernüchternd war dagegen das Fazit aus Sicht der deutschen Musikhochschulen, an denen das Thema bislang kaum eine Rolle spielt.

Am Ende waren sich alle Teilnehmer/innen der Tagung einig, dass in Deutschland noch viel aufzuholen sei, vor allem auch im Bereich der Incomings, für die die Webauftritte der deutschen Hochschulen zumindest mal ins Englische übersetzt werden sollten!

Das Zentrum für Lehrerbildung jedenfalls fühlt sich angesichts der genannten Defizite in seiner Arbeit bezüglich seiner Informationen zu Auslandsaufenthalten während des Studiums und der späteren Berufstätigkeit bestätigt und wird auch in Zukunft intensiv zu solch wertvollen Auslandserfahrungen raten und ermutigen. Geplant sind daher Neuauflagen der einschlägigen Informationsveranstaltungen im November und Dezember 2015. Individuelle Beratungen z.B. zum Schulpraxissemester im Ausland erfolgen wie immer nach vorheriger Absprache.

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Geleitete PraxisReflexion (GPR) – ein freiwilliges Unterstützungsangebot für Lehramtsstudierende im Schulpraxissemester

Freitag, 13. Februar 2015 | Autor:

Im kommenden Herbst wird das Lehramtsstudium erneut umgestellt. Baden-Württemberg führt zunächst ein Bachelorstudium ein, dem ab WS 2018/10 der Master of Education folgen wird.

Die Universitäten arbeiten seit Monaten an den Fachpapieren, suchen nach Wegen einer sinnvollen Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen und den Staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung, hoffen auf einen ergiebigen finanziellen Regen von Seiten der Qualitätsoffensive Lehramt und befassen sich z.T. auch schon mit dem bildungswissenschaftlichen Studienanteil im Masterstudium.

Zur Information: In Zukunft umfasst der Anteil der Bildungswissenschaften anstelle 18 ECTS-Punkte (GymPO v. 2009/10) 45 ECTS-Punkte, in denen die bisherigen eigenständigen Module des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (EPG) und des Moduls Personale Kompetenzen (MPK) sowie das neue Modul „Inklusion“ aufgehen sollen.

Ziel aller Akteure ist eine bessere Verzahnung zwischen den Ausbildungsphasen und den Institutionen sowie der Aufbau eines Spiralcurriculums möglichst ohne viele Wiederholungen und Überschneidungen. Zu diesem Zweck tagt hier an der Uni Freiburg in regelmäßigen Abständen eine Gruppe von am Lehramtsstudium beteiligten Personen. Während im Bachelorstudium der bildungswissenschaftliche Teil nämlich mit „nur“10 ECTS-Punkten abgedeckt werden soll, ist ein großer Punkteanteil (35) sinnvoll auf die vier Semester Masterstudium zu verteilen.

In Freiburg steht die Idee eines sog. Praxiskollegs zum gegenseitigen Austausch von Uni und Schulen im Raum, dessen Zusammensetzung, Aufgaben und Ausgestaltung aber noch erarbeitet werden müssen. Vor dem Hintergrund des ca. 12 Wochen umfassenden Praxissemesters im Masterstudium wurde in der letzten AG-Sitzung intensiv – auch vor dem Hintergrund von Forschungsergebnissen in der Erziehungswissenschaft – diskutiert, welche Kompetenzen für die Tätigkeit einer erfolgreichen Lehrkraft erforderlich sind. Ein sehr umfangreicher Katalog, der die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen in diesem Beruf widerspiegelt, stand zur Debatte. Vieles ist wünschenswert, nicht alles umsetzbar aufgrund fehlender Ressourcen. Wo reduziert man, was sind unsere Schwerpunkte, was kann die PH leisten, wie viele Seminare und Workshops können wir anbieten usw.?

Aus meiner Sicht als langjährig praktizierende Lehrerin fehlt es in der Lehrerbildung aber häufig an Möglichkeiten, die Studierenden während der Praxisphasen zu begleiten. Daher halte ich unsere seit drei Jahren mit Erfolg durchgeführte „Geleitete PraxisReflexion (GPR)“ für ein hilfreiches Instrument, das eine Ergänzung zum bildungswissenschaftlichen Anteil im Studium sein kann. Im Folgenden wird die GPR genauer vorgestellt.

Konzeptionelle Grundlagen

Freiburger Modell GPRv2_2Hintergrund

Heterogenität, Inklusion, Stufenlehrer, Gemeinschaftsschulen – diese Schlagwörter, die fast täglich Presseberichte zur Bildungspolitik bestimmen, machen deutlich, dass das Anforderungsprofil an zukünftige Lehrerinnen und Lehrer deutlich anspruchsvoller als in früheren Jahren sein wird. Dem kommt der höhere Anteil an berufsbezogenen Elementen in der neuen gymnasialen Lehrerausbildung (seit WS 2010/11) entgegen.

Zwar liegt der Schwerpunkt der Ausbildung zukünftiger Gymnasiallehrkräfte nach wie vor auf der Vermittlung fundierter fachwissenschaftlicher Kenntnisse. Ein solches Fundament – dies wurde erst jüngst wieder durch Untersuchungen nachgewiesen – ist die Basis für eine angemessene fachdidaktische und methodische Umsetzung des Unterrichtsstoffes und schafft Freiräume für so elementare Aufgaben wie Beziehungsgestaltung und Klassenführung.

Auf der anderen Seite sind Praxisphasen in einer gelingenden Lehrerausbildung unabdingbar.
Daher muss in Baden-Württemberg seit Einführung der Wissenschaftlichen Prüfungsordnung (WPO) im Jahr 2001 ein 13-wöchiges Schulpraxissemester an einem Gymnasium oder an einer beruflichen Schule absolviert werden. Seit Einführung der neuen Gymnasialen Prüfungsordnung (GymPO) im Jahr 2010 muss es sogar als Modul (16 ECTS-Punkte) nach einem vom Kultusministerium vorgegebenen Kriterienkatalog bestanden werden. Und auch in der neuen Rahmenverordnung von 2015 wird das Praxissemester seinen festen Platz, dann im Masterstudium, haben.

Trotz aller auf die Schule vorbereitenden Lehrangebote während des Grundstudiums ereilt die Studierenden im Schulpraxissemester häufig eine Art Praxisschock, wenn sie über einen längeren Zeitraum selbst Unterricht vorbereiten und ausführen sollen, sprich, wenn über drei Monate hinweg und am Stück Schulalltag mit all seinen Facetten erlebt wird. Nicht nur Fachwissen muss oft mühselig erarbeitet und für den Unterricht aufbereitet werden, sondern nun treten ganz andere Dinge in den Vordergrund: Wie wirke ich als Lehrkraft, wie komme ich als Mensch rüber? Wie gestalte ich die Beziehung zu Schülern, Kollegen, Eltern u.a.? Kann ich führen oder werde ich (vor-) geführt? Wie organisiere ich mich selbst? Muss ich an meiner Stimme und Körpersprache arbeiten?

Inhalt, Umsetzung und damit verbundene Ziele

Vor diesem Hintergrund und mangels vergleichbarer Lehrangebote konzipierte im Sommersemester 2012 die Freiburger Arbeitsgemeinschaft Lehramt, bestehend aus Mitgliedern des Zentrums für Lehrerbildung, des Zentrums für Schlüsselqualifikationen, des Instituts für Erziehungswissenschaft, der beiden Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien und Berufliche Schulen) und des Referats Lehramt/u-asta eine neuartige BegleitveranstaltungGeleitete PraxisReflexion (GPR) – zum Schulpraxissemester. Dies setzte eine intensive und zeitaufwändige Vorbereitungsphase über die Institutsgrenzen von Universität und Schulseite hinweg voraus, da insgesamt vier Abende zu verschiedenen Themen inhaltlich und organisatorisch geplant werden mussten.

Erfahrene Dozierende in der Lehrerbildung aus oben genannter Arbeitsgruppe leiten nun seit 2012 im Zeitraum zwischen Ende September bis Mitte Dezember 2012 vier Studierendengruppen an vier Sitzungen zu den Themenpunkten „Beziehungsgestaltung“, „Nähe und Distanz“, „Umgang mit Konflikten“ und „Feedback-Kultur“.

Im vertraulichen Gespräch und in einem geschützten Raum ohne Leistungsmessung können die Schulpraktikantinnen und -praktikanten eigene und ganz aktuelle Erfahrungen anhand von Fallbeispielen durch professionelle Anleitung reflektieren und auf Unterrichts-, Beziehungs- und Kommunikationsmodelle übertragen. Gleichzeitig lernen sie, dass Hilfe von außen Entlastung bedeuten kann. Die bisherigen Evaluationsergebnisse aus drei Jahren fielen im Hinblick auf diese Zielsetzung sehr gut aus.

Hinweis: Das Zentrum für Lehrerbildung wird auch im kommenden Herbst wieder GPR-Seminare anbieten. Dazu schreiben wir ab Mai/Juni die zukünftigen Schulpraktikantinnen und -praktikanten gesondert an.

 

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Lehrer an einer beruflichen Schule – Welche Möglichkeiten bieten sich für unsere Absolventinnen und Absolventen an dieser Schulart?

Mittwoch, 11. Februar 2015 | Autor:

berufliche-schulenWie in jedem Wintersemester organisierte das Zentrum für Lehrerbildung auch in diesem Jahr Anfang Februar einen Informationsabend zum Beruflichen Schulwesen für Lehramtsstudierende aller Semester.

Inhaltlich getragen wurde der Abend durch Vorträge von Herrn Prof. Vogelbacher, Leiter des Freiburger Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung, Berufliche Schulen, von Herrn StD Peter, Fachleiter Englisch am Seminar, und zwei jungen Lehrkräften, Frau Schmerfeld und Herrn Schiefer.

Ca. 50 Studierende folgten mit großem Interesse den Ausführungen der Referenten und konnten sehr viele Fragen loswerden. Nicht nur die strukturellen Unterschiede zwischen allgemeinbildendem Gymnasium und beruflichen Schulen, nicht nur die Anforderungen an die Schüler/innen und Lehrkräfte oder die unterschiedliche Schülerklientel, sondern auch Einstellungschancen und Berufsaussichten waren wichtige Themen.

Lehramtsstudierende in Baden-Württemberg können in das berufliche Schulwesen schon während des Schulpraxissemesters reinschnuppern, ohne sich für den Vorbereitungsdienst festzulegen. Dann jedoch gibt es schon eine gewisse Weichenstellung in Richtung berufliche Schulen, allerdings kann man während des Referendariats noch eine Zusatzausbildung an einem allgemeinbildenden Gymnasium ablegen (ca. 3-4 Wochen Unterricht und eine Lehrprobe in einem der beiden Fächer in einer Unter- oder Mittelstufenklasse), sodass am Ende der Ausbildung die Lehrbefähigung für beide Schularten steht. Dies wird dringend empfohlen, weil niemand weiß, ob er immer in Baden-Württemberg mit seinem besonders gut ausgebauten beruflichen Schulwesen bleiben wird. Auch für die Bewerbung in den deutschen Auslandsschuldienst ist die gymnasiale Lehrbefähigung äußerst wichtig.

Was heißt es nun, als ausgebildete Gymnasiallehrkraft an einer beruflichen Schule zu unterrichten?

  1. Oft ist man an einem sehr großen Schulzentrum mit weit über 1.000, oft 1.500 Schüler/innen und 150 Lehrkräften beschäftigt.
  2. Meistens wird man nicht nur am beruflichen Gymnasium eingesetzt, sondern auch an anderen Schularten wie z.B. am Berufskolleg oder der Berufsschule (breites Spektrum der Gesellschaft).
  3. In der Regel hat man mit älteren Schüler/innen zu tun, d. h. Probleme mit überbesorgten Eltern u. ä. sind nicht zu erwarten.
  4. Die Begleitung vom Kind zum jungen Erwachsenen ist also nicht wie am allgemeinbildenden Gymnasium möglich. Wer jüngere Kinder unterrichten möchte, ist hier nicht richtig aufgehoben.
  5. Häufig sind diejenigen, die von der Realschule ans berufliche Gymnasium wechseln, zielstrebig, weil sie nicht den direkten Weg Richtung Abitur gegangen sind.
  6. Das Niveau in Literatur ist nicht immer so hoch wie im allgemeinbildenden Gymnasium, wenn auch das Abitur die gleichen Themen umfasst.
  7. Die Einstufung ins höhere Lehramt (Studienrat, Oberstudienrat) ist mit dem allgemeinbildenden Gymnasium identisch, auch wenn man nicht nur am beruflichen Gymnasium unterrichtet.
  8. Ganz wichtig: Die Einstellungschancen sind immer noch – auch für allgemeinbildende Fächer – deutlich besser als an den „normalen“ Gymnasien.

Das Kultusministerium meinte dazu im Juni 2012 (Eine aktuellere Einschätzung liegt leider nicht vor):

„Zur Deckung des Unterrichtsbedarfs in den allgemeinen Fächern – insbesondere in den Fremdsprachen und Naturwissenschaften, aber auch in Religion – werden derzeit an den beruflichen Schulen zusätzlich Gymnasiallehrkräfte eingestellt. Bewerber/-innen mit allgemein bildenden Fächern, die nach einem gymnasialen Lehramtsstudium den Vorbereitungsdienst an einer beruflichen Schule absolvieren und dadurch die Lehrbefähigung für beruflichen Schulen erwerben, haben jedoch auch künftig Vorrang.“

Quelle: Berufsziel Lehrerin/Lehrer, S. 3

Im Einstellungsverfahren 2014 wurden an Beruflichen Schulen (Regierungspräsidium Freiburg) sogar 36 Bewerber/innen von der gymnasialen Liste eingestellt. Und diejenigen, die das Referendariat im beruflichen Schulwesen absolvieren, bleiben in der Regel dieser Schulart treu, wie Herr Prof. Vogelbacher mit Freude berichtete.

Am Beispiel zweier Schulen in Freiburg verdeutlichte er anschließend, wie unterschiedlich berufliche Schulzentren im Hinblick auf die Profile sein können.

Vier besondere Merkmale weisen jedoch alle beruflichen Schulen auf:

  1. Berufliche Schulen sind durch ihre Orientierung auf die Wirtschaft und ihre Zusammenarbeit mit Betrieben nahe an der Berufspraxis.
  2. Die Schülerinnen und Schüler haben sich nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht für einen weiteren Bildungsweg entschieden.
  3. Voraussetzung für den Eintritt in eine berufliche Schule ist ein mindestens neunjähriger Besuch einer allgemein bildenden Schule. Daher kann man sich auf die Zusammenarbeit mit vergleichsweise reifen und zielstrebigen Schülerinnen und Schülern einstellen.
  4. Teamarbeit, fächerübergreifende Projekte und gemeinsame Planung des Unterrichts sind Arbeitsformen, die in der beruflichen Praxis umgesetzt werden müssen und daher besonders im schulischen Alltag eingeübt werden.

Allgemeinbildende Fächer an Beruflichen Schulen

  • Deutsch
  • Englisch
  • Spanisch
  • Französisch
  • Italienisch (nur SPS)
  • Biologie
  • Chemie
  • Physik
  • Mathematik
  • Informatik
  • Katholische Religion
  • Philosophie/Ethik
  • Geschichte/Gemeinschaftskunde
  • Sport (weiblich/männlich)

Herr Peter, Fachbereichsleiter Englisch, ging anschließend auf die Gemeinsamkeiten von allgemeinbildendem Gymnasium und Beruflichen Schulen ein:

  • gleiche Bildungsstandards für berufliche und allgemeinbildende Gymnasien
  • einheitliche Prüfungsformate
  • gleiche Pflichtlektüren im Fach Deutsch
  • Kooperation/Absprachen der beiden Seminare vor Ort

Auch er hob nochmals die Vorzüge des Unterrichtens an einer beruflichen Schule hervor und betonte, dass er äußerst zufrieden mit seiner langjährigen Tätigkeit an dieser Schulart sei.

Der Infoabend wurde durch die authentischen Berichte zweier Junglehrkräfte, Frau Schmerfeld und Herr Schiefer, an zwei unterschiedlichen Freiburger Beruflichen Schulzentren abgerundet. Dies hat sich insoweit bewährt, als der Blickwinkel auf diese Schulart vom Schulalltag und den besonderen Herausforderungen an die Lehrenden bestimmt ist.

Hinweis: Diese Veranstaltung wird im kommenden Kalenderjahr wieder neu aufgelegt.

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Deutscher Auslandsschuldienst: Abenteuer – Chancen – Herausforderung?

Mittwoch, 21. Januar 2015 | Autor:

zfaSeit nunmehr 7 Jahren lädt das Zentrum für Lehrerbildung jährlich zu einem Infoabend zum deutschen Auslandsschulwesen ein. Wechselnde Referent/innen, meist ehemalige Lehrer/innen oder Schulleitungen, berichten häufig auf sehr persönliche Art von ihren spannenden Erfahrungen an deutschen Schulen im Ausland und erklären mit Hilfe einer Präsentation der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), welche Chancen, aber auch welche Herausforderungen ein solcher Auslandsaufenthalt bieten kann.

Die Interessenten, meist höhere Semester, einige wenige auch von der PH Freiburg, und Referendarinnen und Referendare, nutzen immer ausgiebig die Fragestunde im Anschluss an das Referat und bewerten die Veranstaltung, so auch im letzten Dezember, stets als wertvoll und sehr informativ. Wer zusätzliche individuell ausgerichtete Fragen stellen möchte, nimmt per Mail direkten Kontakt mit dem Referenten – in den letzten beiden Jahren Heinz Gerhardt (ehemals Schulleiter im In- und Ausland) – auf.

Die ZfA, neuerdings mit Sitz in Bonn, gehört zum Bundesverwaltungsamt in Köln und ist dem Bundesinnenministerium unterstellt. Aufgrund der Tatsache, dass durch das ZfA weltweit ca. 1.200 Schulen, darunter mehr als 140 Deutsche Auslandsschulen personell und finanziell gefördert werden, ist diese Behörde auch eng an das Auswärtige Amt angebunden. Unter folgendem Link kann man sich kostenlos Publikationen herunterladen, u.a. auch Bewerberinfos:

http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_ZfA/DieZfA/node.html

Die Organisation vermittelt Lehrerinnen und Lehrer als

  • Auslandslehrkraft (ADLK) = verbeamtete oder in den neuen Bundesländern fest angestellte Lehrkräfte
  • Bundesprogrammlehrkraft (BPLK) = auch Lehrkräfte ohne feste Anstellung im Landesschuldienst

Die Deutschen Auslandsschulen stellen auch unmittelbar ein

  • Ortskraft (OK) = pädagogische und nichtpädagogische Mitarbeiter in Schulen und Kindergärten

1. Voraussetzungen

ADLK:

  • Überdurchschnittliche Bewährung im innerdeutschen Schuldienst für mind. 2 Jahre
  • Freistellung durch den Dienstherrn
  • Gesundheitliche Eignung

BPLK:

  • Zweites Staatsexamen für das Lehramt in Deutschland oder Vergleichbares
  • Staatsangehörigkeit eines der Mitgliedstaaten der EU
  • Lebensmittelpunkt in Deutschland

OK:

  • Lehrer/in mit zweitem Staatsexamen oder Erzieher/in

2. Lehrbefähigung

Vor allem herrscht ein hoher Bedarf an Lehrkräften für die Sekundarstufe II, aber auch für Sek I und Primarstufe können Lehrkräfte vermittelt werden.

Technische Fachlehrkräfte oder solche für Sonderschulen können sich leider nicht bewerben.

3. Einsatzgebiete

Die Einsatzgebiete sind in Großräume aufgeteilt, die bei der Bewerbung von Bedeutung sind:

ADLK: Nordamerika; Mittel- und Südamerika; West-/Nordeuropa; Südeuropa, Türkei; Mittel-/Osteuropa; Fernost/Australien; Zentralasien; Nahost; Afrika.

BPKL: In West- und Nordeuropa, Nordamerika und Australien gibt es keine Einsatzmöglichkeiten; die anderen oben genannten Gebiete sind möglich.

OK: Die Stellen werden von den Deutschen Auslandsschulen weltweit angeboten.

4. Bewerbung, Bewerberauswahl und Bewerbungsunterlagen

 Zu diesen Punkten finden Interessierte alles Wissenswerte im 8-seitigen Bewerber-Info der ZfA (Link siehe oben).

5. Nächster Informationsabend des Zentrums für Lehrerbildung zum Deutschen Auslandsschulwesen

Aufgrund der konstanten Nachfrage und der guten Rückmeldungen wird es auch in diesem Jahr wieder Anfang Dezember zu einer Neuauflage dieser Veranstaltung kommen. Der Termin wird wie immer rechtzeitig sowohl auf der ZLB-Homepage als auch per Rundmail und mit Plakat auf den Schwarzen Brett des ZLB (KG I/KG III) bekanntgegeben.

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Auf die Haltungen der Lehrpersonen kommt es an! – GEW-Tagung am 10. Oktober 2014 an der PH Freiburg

Montag, 10. November 2014 | Autor:

Als Hauptreferent der Tagung konnte Dr. Klaus Zierer, Professor für Erziehungswissenschaften an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg und Übersetzer der Hattie-Studie, gewonnen werden.

Die Frage nach der Wirkung von Unterricht bestimmte seinen kurzweiligen und humorvollen Vortrag, dessen Grundlage das viel diskutierte Buch von John Hattie mit Daten von 1.000 Meta-Analysen, 80.000 Einzelstudien bei 250 Millionen Lernenden war (PISA-Studie nur 9 Millionen Lernende).

Lacherfolge erzielte der Referent mit seiner Aussage: Fast alles, was wir tun, hat einen positiven Effekt, denn die Schüler verlassen in der Regel die Schule schlauer, als sie vorher waren.

Daher richtet Prof. Zierer den Fokus nur auf Maßnahmen, die signifikant größere Effekte hervorrufen. So zeigen beispielsweise ein „Offenes Klassenzimmer“ oder der Einsatz von visuellen und audiovisuellen Methoden wie auch die Klassengröße allein keine auffallenden positiven Effekte auf die Lernergebnisse, wenn diese Maßnahmen nicht durch flankierende persönlichkeitsbildende Prozesse begleitet werden. Wenn die Lehrperson trotz veränderter äußerer Rahmenbedingungen genau wie bisher handelt und unterrichtet, werden sich kaum bessere Lernergebnisse einstellen. Die Lehrperson muss also die Struktur zum Leben erwecken und ihr eigenes Handeln darauf abstimmen.

Expertise zeigt sich auch nicht allein an den Jahren der Berufstätigkeit, sondern an der jeweiligen Haltung, verknüpft mit Werten wie Fürsorge, Gehör verleihen, Kooperationsbereitschaft, Klarheit, Faszination und Herausforderung u.v.m. Es ist also nicht nur entscheidend, was wir als Lehrende machen, sondern noch wichtiger ist es, wie und warum wir etwas tun.

So muss ich als Lehrkraft z.B. erkennen, auf welchem Niveau die Schüler/innen stehen, um eine richtige Passung zwischen Unterricht und Lernenden zu erreichen. Ziele müssen entsprechend dem Niveau und klar verständlich formuliert werden. Zudem muss die Botschaft lauten, dass Lernen harte Arbeit ist, die regelmäßiges Üben und herausfordernde Aufgabenstellungen voraussetzt. Besonders wichtig für den Lernerfolg ist die Herstellung von positiven Beziehungen. Konkret bedeutet dies u.a. Zusammenspiel, ins Gespräch kommen, Ermutigung, positive Fehlerkultur, Vertrauen und Zutrauen und Geborgenheit. Des Weiteren müssen Lehrkräfte das vorhandene Potential der Lernenden erkennen, um entsprechend motivieren und passgenaue Strategien anwenden zu können. Schüler/innen erwarten zudem ein ehrliches Feedback. Genauso sind aber auch Schülerleistungen eine wichtige Rückmeldung an den Lehrenden.

FAZIT: Um Erfolg als Lehrkraft zu haben und um effektiven Unterricht leisten zu können, muss man an der eigenen Haltung arbeiten, alte und nicht-effiziente Praktiken verwerfen und mutig Veränderungen wagen, vor allem aber auch Fehler als Chance begreifen.

Auch wenn vieles, was der Referent hier zusammentrug, zumindest Lehrkräften mit langjähriger Erfahrung altbekannt ist, so brachte Prof. Zierer mit seiner klar strukturierten und prägnanten Präsentation diese Erkenntnisse auf den Punkt und konnte sicherlich die angehenden Lehrer und Lehrerinnen im Publikum für sein Thema sensibilisieren. Und last but not least: Wer hat schon Zeit, sich intensiv mit der sehr umfangreichen Hattie-Studie auseinanderzusetzen?

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